Zeitgeschichte-Tage
Besucherrekord bei den Zeitgeschichte-Tagen 2026
Großes Interesse an den 35. Zeitgeschichte-Tagen: Zwei Tage lang standen Verschwörungsglaube, Esoterik und rechte Ideologien im Mittelpunkt. Rund 280 Gäste kamen allein zur Eröffnung. Hier ist unser Rückblick – mit zahlreichen Bildern von der Veranstaltung.
So groß war das Publikumsinteresse bei einer Eröffnung der Zeitgeschichte-Tage im VAZ noch nie: 280 Besucher kamen am 25. September zum Gespräch mit der Psychiaterin Heidi Kastner. Auch am zweiten Veranstaltungstag war die Tagung stark besucht.
Unter dem Titel „Verführt und verblendet. Braune Esoterik, Neue Rechte und die digitale Weltverschwörung“ ging es um historische Wurzeln und aktuelle Formen von Verschwörungsglauben, Esoterik und politischer Radikalisierung.
Eröffnet wurden die 35. Zeitgeschichte-Tage von Bürgermeister Johannes Waidbacher, Bundesrat Ferdinand Tiefnig, Vereinsobmann Florian Kotanko sowie den wissenschaftlichen Leiter Antonia Plessing und Stefan Schlögl.
Im Mittelpunkt des Eröffnungsabends stand das Gespräch zwischen der Psychiaterin und Gerichtsgutachterin Heidi Kastner und der Journalistin Anna Goldenberg. Es ging darum, warum Menschen an Verschwörungen glauben, weshalb einfache Erklärungen gerade in Krisenzeiten an Attraktivität gewinnen und wann Sinnsuche in ein geschlossenes Weltbild kippt.
Zur Sprache kam auch ein Thema, mit dem sich Kastner seit Jahren beschäftigt: die „Dummheit“ und die Frage, warum Menschen an Überzeugungen festhalten, obwohl Fakten dagegen sprechen. An das Gespräch schloss eine ausführliche Fragerunde mit dem Publikum an.
Mehr als 200 Schüler erreicht
Bereits in den Tagen vor der Tagung fanden Workshops zur regionalen Zeitgeschichte für Schulen aus Braunau und der Region statt. Das neue Angebot wurde vollständig genutzt: Neun Klassen nahmen teil, insgesamt mehr als 200 Schülerinnen und Schüler.
Antonia Plessing und Isabella Burtscher vom Haus der Geschichte Österreich arbeiteten mit den Jugendlichen zu regionaler Geschichte, Nationalsozialismus und Erinnerungskultur. Ergebnisse der Workshops wurden erstmals während der Zeitgeschichte-Tage im VAZ präsentiert. Eine der Schülerinnen teilte am Podium ihre Eindrücke von den Workshops.
Von digitalen Gurus bis zu den Illuminaten
Der Samstag begann mit einem Stadtspaziergang zur Braunauer Zeitgeschichte. Rund 30 Teilnehmer ließen sich von Mitgliedern des Vereins zu historischen Orten in der Stadt führen.
Judith Bodendörfer nahm anschließend esoterische und spirituelle Angebote im digitalen Raum in den Blick. Dabei ging es um Selbstoptimierung und Vorstellungen von Natürlichkeit, aber auch um Frauen- und Männerbilder, die über soziale Medien verbreitet werden und Anschlussstellen für rechte Ideologien bieten können.
Claus Oberhauser führte durch die lange Geschichte der Verschwörungserzählungen. Von Illuminaten und Freimaurern über die Aufklärung bis zum Antisemitismus zeigte er in einem ebenso kurzweiligen wie informationsreichen Vortrag, wie langlebig bestimmte Erklärungsmuster sind und wie sie in immer neuen Formen wiederkehren.
Florian Teller untersuchte die Verbindung von Ökologie und rechten beziehungsweise völkischen Ideologien. Vorstellungen von Natur, Heimat und dem „deutschen Wald“ spielten in diesen Milieus historisch eine zentrale Rolle. Heute versuchen rechte Akteure, ökologische Themen erneut zu besetzen und für sich zurückzugewinnen.
Zum Abschluss der Blick in die Praxis
Den Abschluss bildete ein Podiumsgespräch mit Ulrike Schiesser, Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen, und dem Hamburger Journalisten Andreas Speit. Moderiert wurde das Gespräch vom Leiter der Zeitgeschichte-Tage Stefan Schlögl.
Schiesser berichtete aus der Beratungspraxis der Bundesstelle, über konkrete Fälle und darüber, an wen sich Betroffene und Angehörige wenden können. Speit brachte Erfahrungen aus seinen langjährigen Recherchen zu völkischen und rechtsextremen Milieus ein und ordnete aktuelle Entwicklungen ein.
Die Diskussion blieb dabei nicht auf das Podium beschränkt. Auch nach den Vorträgen beteiligte sich das Publikum mit zahlreichen Fragen, Beobachtungen und Wortmeldungen. Gerade dieser Austausch prägte den zweiten Tag der Tagung.
Auch am Samstag war das Interesse groß. Über den Tag verteilt wurden bei Stadtspaziergang, Vorträgen und Podium insgesamt rund 300 Besuche gezählt. Viele Gäste nahmen an mehreren Programmpunkten teil, andere kamen gezielt zu einzelnen Vorträgen und Diskussionen.
Ausstellung „Hitlers Exekutive" in Braunau
Zum erweiterten Programm gehörte auch die Wanderausstellung „Hitlers Exekutive. Die österreichische Polizei und der Nationalsozialismus“, die am 18. September in der Herzogsburg eröffnet worden war.
Beim Auftakt waren die Historikerin und wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung Barbara Stelzl-Marx, Eva-Marina Strauß vom Bundesministerium für Inneres und Florian Schwanninger vom Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim zu Gast. Martina Zerovnik, Projektleiterin und Kuratorin, führte anschließend in die Ausstellung ein.
Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es in diesem Beitrag.
Der Verein für Zeitgeschichte Braunau bedankt sich bei allen Referent und Besucher sowie bei den Fördergeber, Kooperationspartner und Unterstützer. Ein besonderer Dank gilt den Mitgliedern des Vereins, deren ehrenamtlicher Einsatz die Durchführung der Zeitgeschichte-Tage in dieser Form möglich gemacht hat. (28.9.2026)
Die Erweiterung des Workshop-Programms wird durch eine Förderung der LEADER-Region Oberinnviertel-Mattigtal ermöglicht.

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Das Programm der Zeitgeschichte-Tage 2026 im Detail
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Eröffneten die Zeitgeschichte-Tage: Heidi Kastner und Anna Goldenberg, flankiert von Bürgermeister Johannes Waidbacher, Antonia Plessing, Florian Kotanko und Stefan Schlögl. Foto: VZG/Photogräfin -
Über 280 Gäste besuchten die Eröffnung der Zeitgeschichte-Tage Braunau. Foto: VZG -
Bürgermeister Johannes Waidbacher während seiner Eröffnungsrede. Foto: VZG/Photogräfin -
Der Vertreter des Landes Oberösterreich: Bundesrat Ferdinand Tiefnig. Foto: VZG/Photogräfin -
Der große Saal des VAZ war bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: VZG/Photogräfin -
Zeitgeschichte in Braunau seit 1993: Der Obmann des Vereins für Zeitgeschichte Florian Kotanko. Foto: VZG/Photogräfin -
Eine von über 200: Eine Schülerin erzählte von ihren Eindrücken von den Schüler:innen-Workshops, die von Antonia Plessing organisiert und durchgeführt wurden. Foto: VZG/Photogräfin -
Zum ersten Mal konnten die Schüler:innen ihre Workshop-Ergebnisse im Rahmen der Tagung präsentieren. Foto: Photogräfin -
Stefan Schlögl, der Leiter der Zeitgeschichte-Tage. Foto: VZG/Photogräfin -
Die Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner im Talk mit der Journalistin und Autorin Anna Goldenberg. Foto: Photogräfin -
Warum glauben wir eigentlich an Verschwörungsmythen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Gesprächs. Foto: VZG/Photogräfin. -
Pointiert und prägnant: Heidi Kastner. Foto: VZG/Photogräfin -
Vor und nach der Eröffnung standen die Workshop-Ergebnisse der Schüler:innen im Mittelpunkt. Foto: VZG/Photogräfin -
Neun Schulklassen aus der gesamten Region beteiligten sich an dem Angebot des Vereins für Zeitgeschichte, das von der LEADER-Region Oberinnviertel-Mattigtal unterstützt wird. Foto: VZG/Photogräfin -
Antonia Plessing führte gemeinsam mit ihrer Kollegin Isabella Burtscher vom Haus der Geschichte Österreich die Workshops durch. Foto: VZG/Photogräfin -
Die Schüler:innen aus den Unterstufen modellierten Denkmäler. Foto: VZG/Photogräfin -
Am Samstag hielt Judith Bodendörfer einen Vortrag über braune Esoterik und das Geschäft mit der Selbstoptimierung. Foto: VZG/Tino Huber -
Bodendörfer gewährte einen Einblick in die Methoden und Mechanismen der Akteur:innen auf Social Media. Foto: VZG -
Claus Oberhauser beleuchtete die Geschichte von Verschwörungstheorien bis hin zum Nationalsozialismus. Foto: VZG/Tino Huber -
Florian Teller von FARN, Berlin, erhellte, wie rechte Gruppen gezielt Natur- und Umweltschutz für sich instrumentalisieren.Foto: VZG/Tino Huber -
Ulrike Schiesser, Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen, im Podiumsgespräch mit Andreas Speit und Stefan Schlögl.Foto: VZG/Tino Huber -
Der Hamburger Journalist Andreas Speit ordnete das Vorgehen völkischer und neurechter Gruppen vor dem Hintergrund der Wahlerfolge der AfD ein. Foto: VZG/Tino Huber -
Das Interesse der Besucher:innen war auch am Tagungs-Tag enorm. Foto: VZG -
Noch einmal betont. Foto: VZG/Photogräfin -
Der renommierte Böhlau-Verlag war zum ersten Mal in Braunau mit einem eigenen Büchertisch vertreten. Foto: VZG/Photogräfin -
Im Foyer wurde nach der Eröffnung eifrig diskutiert. Foto: VZG/Photogräfin -